EKAH-Bericht: «Genschere» vermittelt falsches Bild von Präzision und Kontrolle - Bundesrat muss ehrlicher kommunizieren

Heute hat die Eidgenössische Ethikkommission für die Biotechnologie im Ausserhumanbereich einen Bericht zu den Begrifflichkeiten in der öffentlichen Debatte zur Gentechnik publiziert. Dieser weist darauf hin, dass Begriffe wie die «Genschere» bewusste positive Konnotationen hervorrufen können und der Bund darum in der öffentlichen Kommunikation zur Zurückhaltung aufgefordert ist. Der Verein für gentechnikfreie Lebensmittel fühlt sich bestätigt und sieht Handlungsbedarf.

Wie der Bericht der eidgenössischen Ethikkommission für die Biotechnologie im Ausserhumanbereich eindeutig feststellt, kann zum Beispiel der Begriff der «Genschere» bewusst so eingesetzt werden, dass suggeriert wird, die sogenannten neuen gentechnischen Verfahren seien präzise, sicher und fortschrittlich. Ein Bild, das die wissenschaftliche Realität nicht vollständig abbildet. So kann ein CRISPR-Eingriff gleichzeitig an mehreren, nicht vorgesehenen Stellen des Genoms erfolgen (sog. Off-Target-Effekte). Zudem ist der anschliessende DNA-Reparaturprozess kein technologischer, sondern ein fehleranfälliger biologischer Vorgang, den die Zelle selbst vornimmt und der nicht vollständig kontrollierbar ist. Bereits die Konnotation “neue” gentechnische Verfahren birgt den Anschein, dass Technologien wie CRISPER/Cas besser sind als die alten, was ein sehr verkürztes Bild zeichnet. Wenn also der Bundesrat mit Metaphern wie der «Genschere» in der öffentlichen Debatte hantiert, muss er dies zurückhaltend tun und wenn dann einen ausreichenden Kontext dazu geben, dass durch den Gebrauch solcher Begrifflichkeiten bewusst negative Aspekte wie zB. die Risiken der Gentechnologie zu kurz kommen. Martin Graf, Präsident Verein für gentechnikfreie Lebensmitte sagt dazu: «Der Bundesrat ist verpflichtet, fair und ehrlich zu kommunizieren. Dies beinhaltet insbesondere verkürzte oder unvollständige Darstellungen, welche der Begriff «Genschere» mit sich bringt, wo möglich zu vermeiden und immer auch auf die Risiken und Nachteile der Gentechnologie einzugehen»

Die Art und Weise, wie öffentlich über die Gentechnik diskutiert wird, beeinflusst die Entscheidungsfindung der Bevölkerung grundlegend. Wie nun auch die EKAH in ihrem Bericht festhält, steht der Bundesrat in der Pflicht, die Bevölkerung transparent und ehrlich zu informieren, um so jeder Bürgerin und jedem Bürger die Möglichkeit zu geben, sich auf der Basis von neutralen Informationen eine Meinung zu bilden. Aus Sicht des Vereins für gentechnikfreie Lebensmittel nimmt speziell Bundesrat Rösti diese Pflicht bisher nicht angemessen wahr. So versucht er beispielsweise mit dem Titel des neuen Spezialgesetzes «Bundesgesetz über Pflanzen aus neuen Züchtungstechnologien (NZTG)» zu suggerieren, dass es sich dabei nicht um Gentechnik handelt, was wissentlich falsch ist. «Die Diskussion um das Gentechnik-Spezialgesetz zeigt exemplarisch, wie Bundesrat Rösti versucht, die Gentechnik durch die Hintertür auf unsere Teller zu bringen»,hält Dominik Waser, Geschäftsleiter Verein für gentechnikfreie Lebensmittel fest.

Für weitere Auskünfte steht zur Verfügung:

  • Dominik Waser, Geschäftsleiter Verein für gentechnikfreie Lebensmittel, 079 313 98 02

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