Spannende Redebeiträge der Einreichungsaktion in Bern
Am 27. Februar 2026 wurde die Lebensmittelschutz-Initiative bei strahlendem Sonnenschein in Bern eingereicht. Über 60 Personen waren anwesend, gemeinsam mit eine Riesentomate, welche die Aufmerksamkeit aller Passanten auf sich zog. Hier sind die offiziellen Reden, die an diesem grossartigen Tag gehalten wurden – ein wichtiger Meilenstein diese Initiative!
Rede von Urs Brändli - Präsident Bio Suisse
Ich bin Präsident von Bio Suisse, dem Verband, dem über 7400 Bio-Bäuerinnen und -Bauern angeschlossen sind. Fast jeder 5. Betrieb in der Schweiz produziert heute biologisch. Bio Suisse hat die Lebensmittelschutz-Initiative mitinitiiert und freut sich nun sehr, bei der Einreichung mit dabei zu sein.
Als Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauern produzieren wir gentechnikfrei. Dies ist nicht nur eine Frage unserer Werte, sondern steht in unserem Regelwerk, genauso wie in der Bio-Verordnung des Bundes. Wir wollen auch in Zukunft gentechnikfrei bleiben können. Aus diesem Grund unterstützen wir diese wichtige Initiative, denn sie schafft klare Regeln und definiert rote Linien, wenn es um den Einsatz der Gentechnik geht.
Wer gentechnisch veränderte Organismen einsetzen will, muss auch für allfällige Verunreinigungen Verantwortung tragen. Das Verursacherprinzip ist für Bio-Betriebe essenziell. Werden Bioprodukte beim Anbau, Transport oder der Verarbeitung verunreinigt, darf es nicht sein, dass der Biohof für den wirtschaftlichen Schaden geradestehen muss. Deshalb braucht es volle Transparenz beim Einsatz von Gentechnik-Pflanzen und klare Regeln. Kurz gesagt: Die Bio-Landwirtschaft und mit ihr all jene, die gentechnikfrei bleiben wollen, müssen vor den Folgen eines möglichen Einsatzes von Gentechnik ausreichend geschützt werden.
Es geht hier nicht um Ideologie, sondern ganz einfach um Existenzen. Bäuerinnen und Bauern haben das Recht sich für eine gentechnikfreie Produktionsweise zu entscheiden und müssen vor negativen Auswirkungen anderer bewahrt werden. Dies gilt im Übrigen auch für alle anderen Bereiche der Wertschöpfungskette. Verarbeitung, Handel und Konsumentinnen und Konsumenten müssen auch in Zukunft frei entscheiden können, zu welchen Produkten sie greifen bzw. mit welchen Produkten sie arbeiten. Dies kann nur durch eine Kennzeichnungspflicht vom Acker bis auf den Teller garantiert werden.
Die Lebensmittelschutz-Initiative schützt das Versprechen der Bio-Landwirtschaft gentechfrei zu produzieren, und sichert gleichzeitig die Wahlfreiheit auf Ebene Anbau, Verarbeitung, Handel sowie Konsum.
Ich danke allen Beteiligten für das Engagement während der Unterschriftensammlung.
Rede von Marionna Schlatter - Präsidentin der SAG und Nationalrätin GRÜNE
Als Präsidentin der Schweizer Allianz Gentechfrei freut es mich, in diesem historischen Moment ein paar Worte zu verlieren. Zuerst, herzliche Gratulation und vielen Dank an alle Menschen, die dazu beigetragen haben, dass wir heute hier stehen dürfen. Das wäre ohne die Unterstützung von zahlreichen Freiwilligen und motivierten Organisationen nicht möglich gewesen.
Nun, auch wenn die Auswirkungen und Risiken der gentechnischen Verfahren heute noch immer ungenügend erforscht sind, sehen wir bereits jetzt ihre Folgen. Werden gentechnisch veränderte Pflanzen freigesetzt, interagieren sie mit unzähligen anderen Organismen wie zum Beispiel mit Bestäubern, Bodenorganismen oder anderen Tieren und Pflanzen. Dies führt zu unvorhersehbaren und ungewollten Mutationen, die sich unkontrolliert in der Umwelt verbreiten und nicht zurückholen lassen. Es besteht die Gefahr erhöhter Invasivität etwa durch Resistenzen, Anpassung und der Auskreuzung mit Wildpflanzen. Dabei ist die Frage nicht, ob es passiert, sondern wann. Auch für den Menschen sind Risiken nicht auszuschliessen: Vermehrt Allergene in Lebensmitteln oder das Zurückbleiben von Antibiotikaresistenzgenen aus dem Herstellungsprozess sind ernstzunehmende Probleme, die sorgfältig geprüft werden müssen.
Seit Jahrzehnten wird die Gentechnik als Wundermittel für die Landwirtschaft dargestellt – das Hungerproblem soll gelöst werden, ja seit kurzem ist sie sogar die Antwort auf die Klimakrise. Quasi eine eierlegende Wollmilchsau. Doch Tatsache ist: die Gentechnik konnte bisher keine der Versprechen einlösen, noch hat sie einen nennenswerten Beitrag zu den Problemen unserer Zeit geleistet. Im Gegenteil: Die meisten dieser Hochleistungs- oder Lifestylesorten sind genetisch verarmt, werden patentiert und somit landet die Grundlage unserer Ernährung in den Händen weniger gigantischer Agrarkonzerne. Studien zeigen, dass viele der bisher entwickelten Gentech-Pflanzen sogar zu einem noch höheren Pestizid- und Düngereinsatz führen. Gentechnik ist also das Gegenteil einer Lösung, sondern vielmehr eine Manifestierung des heutigen, umwelt- und gesundheitsschädlichen Systems.
Eine zukunftsfähige Landwirtschaft braucht darum Vielfalt statt Gentechnik. Sie braucht robuste, standortangepasste Sorten wie sie die herkömmliche Züchtung seit Jahrzehnten im Feld gezüchtet werden. Durch Vielfalt entsteht Resilienz und das ist dasnatürliche Sicherheitsnetz gegen die Klimakrise.
Die Lebensmittelschutz-Initiative ist deshalb essentiell für die Zukunft unseres Land- und Ernährungssystems.
Rede von Nik Gugger - Nationalrat EVP und Initiativkomitee
Es ist Zeit.
Es ist Zeit, dass wir aufstehen.
Es ist Zeit, dass wir hinschauen.
Es ist Zeit, dass wir Verantwortung übernehmen.
Ich spreche heute zu Ihnen als Nationalrat und als Mitglied des Initiativkomitees der Lebensmittelschutz-Initiative.
Und wir stehen heute hier, weil es um nichts Geringeres geht als um den Schutz unserer Lebensgrundlagen – um Mensch, Tier und Umwelt. Wir sprechen über Eingriffe in das Innerste des Lebens.
Über Eingriffe in die DNA – dieses Wunder der Schöpfung, dieses hochkomplexe, fein abgestimmte Netzwerk, das wir bis heute nur in Bruchteilen verstehen. Und dennoch wird behauptet, man könne dort «kleine», gezielte, kontrollierbare Veränderungen vornehmen.
Doch wir wissen: In einem so sensiblen System gibt es keine belanglosen Eingriffe. Die kleinste Veränderung kann eine Kettenreaktion auslösen. Unvorhersehbar. Unumkehrbar. Unkontrollierbar.
Einmal freigesetzt, bleibt ein gentechnisch veränderter Organismus Teil unserer Umwelt. Für immer. Er lässt sich nicht einfach zurückholen. Nicht abschalten. Nicht korrigieren. Wir spielen hier nicht mit einer technischen Spielerei – wir greifen in das Fundament des Lebens selbst ein.
Und genau deshalb ist es Zeit, eine klare Grenze zu ziehen.
Wir dürfen nicht den Schöpfer spielen, ohne Demut, ohne Vorsicht, ohne Weitsicht. Unsere Bundesverfassung verpflichtet uns zum Vorsorgeprinzip. Sie verlangt von uns, dass wir mögliche Schäden verhindern – bevor sie entstehen. Nicht erst dann handeln, wenn es zu spät ist.
Genau dafür steht die Lebensmittelschutz-Initiative.
Wir fordern eine umfassende, transparente und strenge Risikoprüfung für alle gentechnisch veränderten Pflanzen, Tiere und Organismen – bevor sie bewilligt, produziert oder verkauft werden. Ohne Ausnahmen. Ohne Schlupflöcher. Ohne Sonderregeln.
Es ist Zeit, Verantwortung über Profit zu stellen.
Es ist Zeit, Schutz über Experimente zu stellen.
Es ist Zeit, das Leben zu schützen – mit Mut, mit Klarheit und mit Entschlossenheit.
Lassen wir uns nicht einreden, Vorsicht sei Rückschritt. Vorsicht ist Verantwortung.
Vorsorge ist Stärke. Und genau diese Stärke braucht unser Land jetzt.
Rede von Konrad Langhart - Initiativkomitee, Biobauer und die Mitte
Ich bin Bauer und Mitglied des Initiativkomitees der Lebensmittelschutz-Initiative.
Für uns Landwirtinnen und Landwirte steht viel auf dem Spiel, wenn es um die Gentechnik geht – allem voran unsere Wahlfreiheit und Unabhängigkeit.
Wir tragen die Verantwortung für unsere Böden, unsere Tiere und mit unseren Produkten auch für die Ernährung der Schweizer Bevölkerung. Deshalb ist es mir sehr wichtig, dass ich und wir als Produzentinnen und Produzenten auch künftig selbst entscheiden können, welches Saatgut wir einsetzen und wie wir unsere Lebensmittel produzieren wollen. Für mich als Bauer ist das ein Grundrecht und es hat auch mit Berufsstolz zu tun.
Damit die Wahlfreiheit für uns Bauern weiterhin möglich bleibt, braucht es klare Regeln. Eine korrekte und verpflichtende Kennzeichnung des Saatguts ist unerlässlich. Nur so können wir entscheiden, ob wir gentechnisch veränderte Produkte anbauen möchten oder nicht. Ebenso braucht es klare Regeln für den Anbau. Das heisst, dass eine Koexistenz verschiedener Produktionsformen möglich ist und die gentechnikfreie Landwirtschaft auch weiterhin möglich bleibt und geschützt wird. Nicht zuletzt ist es mir auch ein Anliegen, dass die Menschen, welche unsere Produkte kaufen, wissen, was da drin ist und sie weiterhin auch sicher gentechnikfreie Lebensmittel kaufen können.
Mit der Gentechnik droht uns, also der Landwirtschaft und auch der Züchtung, dass wir in immer stärkere Abhängigkeit von Konzernen geraten. Der Grund dafür ist die Tatsache, dass die Gentechnik Hand in Hand mit Patenten geht. Das bedeutet: Landwirtinnen und Landwirte müssten in Zukunft patentierte Saatgut zu höheren Preisen einkaufen – Jahr für Jahr, denn eine Vermehrung würde verboten. Zudem wird der Zugang zur genetischen Vielfalt durch Patente massiv erschwert, was die Freiheit der Züchter und Züchterinnen einschränkt. Und noch mehr: Die sogenannte «neue» Gentechnik wird als trojanisches Pferd benutzt, um auch Sorten aus herkömmlicher Züchtung zu patentieren. Das dürfen wir nicht zulassen.
Als Bauer sage ich darum klipp und klar: Unsere Freiheit, gentechnikfrei zu produzieren, muss bewahrt werden. Die Lebensmittelschutz-Initiative schafft die nötigen Rahmenbedingungen und sichert damit die Unabhängigkeit von uns Produzenten.
Rede von Ueli Schmezer - Vorstand LMS, Nationalrat SP
Dass wir heute diese Initiative einreichen können, freut mich sehr. Ich sage das als Vorstandsmitglied des Vereins für gentechnikfreie Lebensmittel. Und ich sage es als Journalist, der sich lange Zeit mit Konsumentenfragen und mit den Bedürfnissen der Konsument:innen beschäftigt hat.
Für Konsument:innen ist das ein wichtiger Moment.
Es geht gerade alles ziemlich schnell. Das Gentechmoratorium läuft bald aus und Bundesrat Rösti macht Druck mit dem Gesetz über die sogenanneten «neuen Züchtungstechnologien». Wir wissen, das ist ein beschönigender Ausdruck für «neue» Gentech-Methoden.
Darum ist es wichtig, dass sich Konsument:innen äussern können. Und dank dieser Initiative werden sie es tun können.
Eine Sotomo-Umfrage hat letztes Jahr klar gezeigt: Die überwiegende Mehrheit der Leute in der Schweiz will wissen, wo Gentechnik drin ist und wo nicht. Sie will eine Kennzeichnungspflicht für alle gentechnisch veränderten Produkte – vom Acker bis auf den Teller – sollten diese denn zugelassen werden.
Darum muss zukünftig dort, wo Gentechnik drin ist, auch Gentechnik drauf stehen. Das ist keine überrissene Forderung.
Wir sind nicht grundsätzlich gegen Gentechnik. Wir sagen lediglich: Wer in der Schweiz Gentechnik anbaut, soll dafür die Verantwortung übernehmen. Und Konsument:innen und Landwirt:innen sollen wählen können.
Das ist nicht zu viel verlangt. Das ist eine Selbstverständlichkeit.

