EU will den Gentech-Turbo zünden

Das EU-Parlament entscheidet am 17. Juni 2026 über die neuen Regeln für Gentech-Pflanzen. Es geht um eine massive Deregulierung, welche breiten Widerstand auslöst, von Jurist:innen als rechtswidrig bezeichnet wird und aufgrund von Lebensmittel- und Saatgutimporten grosse Auswirkungen auf die Schweiz hätte.

Die neue EU-Regelung sieht vor, dass Pflanzen aus sogenannter «neuer Gentechnik» (NGT) in zwei Kategorien aufgeteilt werden. 

  • In die Kategorie 1 fallen Pflanzen, die keine Gene anderer Pflanzen enthalten und höchstens 20 gentechnische Veränderungen vorweisen. Pflanzen der Kategorie 1 werden zukünftig ohne jegliche Risikoprüfung und ohne Kennzeichnung (ausser für Saatgut) zugelassen. 90% aller Gentech-Pflanzen fallen in diese Kategorie 1.

  • In die Kategorie 2 fallen alle anderen Gentech-Pflanzen. Diese unterliegen weiterhin strengeren Auflagen, inklusive einer Risikoprüfung und Kennzeichnungspflicht. Rund 10% aller Gentech-Pflanzen werden also auch in Zukunft geprüft und transparent deklariert.

Diese Unterteilung in zwei Kategorien ist wissenschaftlich nicht haltbar. Denn ob an einer Pflanze 20 oder 21 Veränderungen gemacht wurden, entscheidet nicht über deren mögliche Gefahr für Mensch, Tier und Umwelt. Unabhängig dessen, haben die verschiedenen EU-Gremien diese neue Gentech-Gesetzgebung vorangetrieben. Dies führt dazu, dass wir heute von der grössten Deregulierung der Geschichte im Bereich Gentechnik sprechen.

Breiter Widerstand in der EU

Gegen diese gefährliche Deregulierung gibt es Widerstand von allen Seiten: Bäuerinnen und Bauern, Saatgutzüchter:innen, Lebensmittelhersteller:innen, Konsumentenschutzorganisationen, Imker-, Umwelt- und Menschenrechtsverbände schlagen Alarm. Zu Recht. 

Die neue EU-Regelung führt dazu, dass…

  • Die Wahlfreiheit der Konsument:innen verloren geht, da nicht mehr ersichtlich sein wird auf einem Produkt, wo Gentechnik drin ist und wo nicht (ausser bei Bio oder gentechfrei-Label)

  • Die Macht von Saatgut- und Chemiekonzern noch mehr zunimmt, da sie bald auch herkömmlich gezüchtete Pflanzen bzw. Eigenschaften von Pflanzen mittels Gentechnik patentieren und privatisieren können

  • Die gentechnikfreie Landwirtschaft nicht mehr ausreichend geschützt ist, da Massnahmen fehlen, welche die gentechnikfreie Landwirtschaft vor Verunreinigungen schützen

  • Gentech-Pflanzen, die sich später als schädlich für Mensch oder Umwelt erweisen, unkontrolliert in der Umwelt ausbreiten 

Die neue Gentech-Regelung widerspricht, wie ein Gutachten zeigt, dem EU-Vorsorgeprinzip, einem wichtigen Schutzstandard in Europa, international (Cartagena-Protokoll) aber auch in der Schweiz. Dies unter anderem wegen der fehlenden Risikoprüfung und Kennzeichnungspflicht. Die EU-Institutionen ignorieren diesen Widerspruch komplett. 

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Massive Deregulierung: EU zündet Gentech-Turbo - Schweiz ist direkt betroffen

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