RECHERCHE: Tausende Unterschriften der Lebensmittelschutz-Initiative wurden offenbar nicht mitgezählt

Bern, 4. Juni 2026 – Recherchen zeigen: Laut den Zahlen der Bundeskanzlei wurden offenbar mindestens 5’000 gültige Unterschriften der Lebensmittelschutz-Initiative nicht mitgezählt. Die Gemeinden hatten sie zwar beglaubigt und für gültig erklärt – in der amtlichen Zählung fehlen sie trotzdem. Wo diese Unterschriften sind, ist ungeklärt. Weil diese Unterschriften für das Zustandekommen der Initiative entscheidend sind, erstattet der Verein für gentechnikfreie Lebensmittel Strafanzeige gegen Unbekannt und verlangt die lückenlose Untersuchung. Die Stimmbevölkerung muss darüber abstimmen können, ob künftig Gentech-Food unkontrolliert auf ihren Tellern landen soll oder nicht. 

Die Bundeskanzlei hat im Laufe der letzten Wochen eine erneute Nachkontrolle der eingereichten Unterschriften durchgeführt, wie dies am 20. März vom Bundesrat beschlossen wurde. Im Zuge dessen hat die Bundeskanzlei einzelne Gemeinden stichprobenartig um die Anzahl der von ihnen beglaubigten Unterschriften gebeten. Diese noch unveröffentlichten Informationen gaben dem Verein den Anstoss für eigene Recherchen mit dem Ziel, Transparenz zu schaffen, welche die Stimmbevölkerung beim Thema Gentechnik verdient.

Zahlen zeichnen ein klares Bild

Basierend auf den Rückmeldungen von rund 240 politischen Gemeinden kann aufgezeigt werden, dass die Anzahl gültig beglaubigter Unterschriften erheblich viel höher ist, als die Zahlen, welche die Bundeskanzlei ausweist. «Konkret sprechen wir von mindestens 5’000 Unterschriften, die von den Gemeinden als gültig bescheinigt wurden, aber offenbar nicht mitgezählt worden sind», sagt Dominik Waser, Geschäftsleiter des Vereins für gentechnikfreie Lebensmittel. 

Erst ein Teil der Gemeinden wurde befragt – die tatsächliche Differenz dürfte also noch deutlich grösser sein. Klar ist zudem: Die Gemeindezahlen decken sich nahezu überall mit jenen des Initiativkomitees und seines Beglaubigungspartners.

Demokratische und politische Brisanz

Schon die von rund 240 Gemeinden bestätigten Unterschriften lassen die Initiative das Quorum von 100'000 mit grosser Wahrscheinlichkeit überschreiten. Dann müsste das Volk über die Gentechnik abstimmen können. Was hinter der entscheidenden Differenz steckt und wo sich die Unterschriften im Moment befinden, ist offen. Deshalb fordert der Verein für gentechnikfreie Lebensmittel eine Untersuchung und lückenlose Aufklärung. 

Dominik Waser, Geschäftsleiter des Vereins stellt darum klar: «Wir fordern volle Transparenz für die über 100’000 Stimmberechtigten, die die Lebensmittelschutz-Initiative unterschrieben und in der intensiven Sammelphase unterstützt haben. Die Volksrechte müssen geschützt und gestärkt werden, dazu gehört die lückenlose Aufklärung der unerklärten Differenzen. Wir werden deshalb eine Strafanzeige gegen Unbekannt einreichen und weitere Schritte in Betracht ziehen.» 

Der Verein für gentechnikfreie Lebensmittel fordert angesichts der drohenden schwerwiegenden Folgen für das Vertrauen in die demokratischen Prozesse von allen beteiligten Parteien, sich aktiv an der Aufarbeitung zu beteiligen.

Info-Block: Ablauf und Beispiele aus den Recherchen

So läuft die Beglaubigung von Unterschriften einer Initiative ab:

  1. Eingang beim Partner – Die gesammelten Unterschriftenbögen treffen beim Beglaubigungspartner ein.

  2. Sortieren & Versand – Der Partner sortiert die Bögen nach Gemeinden und schickt sie an die zuständigen Einwohnergemeinden.

  3. Prüfung durch die Gemeinden – Die Gemeinden prüfen die Stimmberechtigung, beglaubigen die gültigen Unterschriften und senden die Bögen zurück.

  4. Zählen & Aufbewahren – Der Partner zählt die beglaubigten Unterschriften und bewahrt sie geordnet auf.

  5. Einreichung – Die Unterschriften werden in Kisten nach Kantonen sortiert verpackt und bei der Bundeskanzlei eingereicht.

Beispiele:

> Bei der Gemeinde Olten, SO wurden am 18. September 2025 insgesamt 175 gültig beglaubigte Unterschriften an das Komitee retourniert, diese scheinen jedoch offenbar nicht mitgezählt worden zu sein
> Bei der Gemeinde Sargans, SG wurden am 16. September 2025 insgesamt 37 gültig beglaubigte Unterschriften an das Komitee retourniert, diese scheinen jedoch offenbar nicht mitgezählt worden zu sein
> Bei der Gemeinde Treyvaux, FR wurden am 5. September 2025 insgesamt 13 gültig beglaubigte Unterschriften an das Komitee retourniert, diese scheinen jedoch offenbar nicht mitgezählt worden zu sein

Die vollständige Tabelle mit allen Rückmeldungen der Gemeinden ist hier zu finden.


Für weitere Auskünfte und Unterlagen steht zur Verfügung:

Dominik Waser, Geschäftsleiter, Verein für gentechnikfreie Lebensmittel,
079 313 98 02, dominik.waser@lebensmittelschutz.ch

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