Die Schweiz ist stolz auf ihre gentechnikfreien Kartoffeln – doch wie lange noch?
Die gentechnikfreie Kartoffel hat eine lange Tradition und ist ein Teil der Schweizer Kultur. Doch damit könnte bald Schluss sein: Der Verband SwissPatat (Kartoffelbranche) hat kürzlich verlauten lassen, dass nun Gentechnik gefragt sei, um den aktuellen Herausforderungen zu begegnen. Dass bereits bewährte und verlässliche Lösungen für Krankheiten wie die Kraut- und Knollenfäule oder die Trockenheit auf dem Tisch liegen, wird gekonnt ignoriert. Die Schweiz braucht keine Gentechnik-Kartoffeln – aus diversen Gründen.
Traditionsknolle
In der Schweiz sind wir besonders stolz auf unsere Herdöpfel. Ja sie sind aus unserer Küche kaum wegzudenken. Ganze 45 Kilogramm essen wir pro Person und Jahr davon! Während der «Anbauschlacht» wurden Kartoffeln in Blumenbeeten, auf Fussballfeldern, auf der Sechseläutenwiese und sogar direkt neben dem Bundeshaus angebaut. Damit gehört die Knolle definitiv zum kulturellen Erbe der Schweiz und ist ein Symbol für unsere regionale Landwirtschaft und die Schweizer Küche.
Schweizer Kartoffeln, versehen mit dem bekannten Schweizerkreuz – also dem Label «Suisse Garantie» – stehen seit eh und je für Regionalität, Natürlichkeit und Gentechnikfreiheit. Damit wurde die Schweizer Rösti weltbekannt. Doch genau dies soll jetzt aufs Spiel gesetzt werden…
Gentechnik löst kein Problem, sondern schafft neue!
Dass die Landwirtschaft vor grossen Herausforderungen steht, ist längst Konsens. Doch solch komplexe Probleme mit reduktionistischen Ansätzen wie der Gentechnik zu lösen, greift viel zu kurz. Die grossen Versprechen der Gentech-Lobby bleiben bisher gänzlich uneingelöst. Sie hat trotz jahrzehntelanger Forschung noch keinen Beitrag zu den Herausforderungen in der Landwirtschaft beigetragen.
Um Krankheiten, Trockenheit oder Extremwetter im Kartoffelbau zu begegnen, sind neue und robuste Sorten gefragt. Die herkömmliche und gentechnikfreie Züchtung liefert bereits heute Jahr für Jahr neue Sorten. Im Gegensatz zur Gentechnik bewähren sich diese dank ihrer breiten Resistenz, welche eine langfristige Widerstandsfähigkeit gewährleistet. Diese Sorten brauchen zudem meist weniger Pflanzenschutzmittel und sind besser an lokale Bedingungen angepasst.
Demgegenüber steht die Gentechnik mit ihrem reduktionistischen Ansatz: Es wird ein einziges Gen gesucht, welches das Problem zB. der Kraut- und Knollenfäule lösen sollte. Dieser Krankheitserreger ist jedoch sehr anpassungsfähig und kann in einer einzigen Anbausaison unzählige Mutationen durchlaufen. Und genau hier liegt das Problem: Wird die Widerstandsfähigkeit - wie bei der Gentechnik - vor allem auf ein einzelnes Resistenzgen gestützt, kann der Erreger die Resistenz im Nu überwinden. Im Ergebnis wirkt die Resistenz nicht lange oder gar nicht.
Eine Resistenz ist ein natürliches Zusammenspiel von unzähligen Genen und Eigenschaften einer Pflanze. Die traditionelle und gentechnikfreie Züchtung hat genau dies zum Ziel. Durch Kreuzung und Auslese diese Sorten zu finden, bei denen dieses Zusammenspiel möglichst gut funktioniert. Und dies mit Erfolg, wie das Vorzeigeprojekt «Pakt für widerstandsfähigere Bio-Kartoffelsorten» in den Niederlanden zeigt. Produzent:innen, Verarbeitung und Detailhandel arbeiten gemeinsam daran, resistente Bio-Sorten vom Feld bis ins Regal zu bringen. Sie haben sich verpflichtet, schrittweise nur noch resistente Sorten anzubauen, zu verarbeiten und dann auch zu verkaufen. Diese Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette macht einen nachhaltigen, gentechnikfreien Kartoffelanbau erfolgreich.
Gentech-Herdöpfel: Finger ab dä Rösti
Wer Bewährtes unbedacht über den Haufen wirft, riskiert das Vertrauen zu verlieren. Genau das tut gerade die Kartoffelbranche, wenn sie nach Gentechnik ruft und dabei bewährte Lösungen aus den Augen verliert. Die Konsument:innen in der Schweiz wollen gentechnikfreies Essen. Sie sind stolz auf die gentechnikfreien Herdöpfel. Sei es in Form von Rösti, Kartoffel-Chips oder ganz einfach neben dem Raclette. Dass die Gentech-Lobby diese Tradition nun aufs Spiel setzen will, ist unnötig und falsch.
Wir haben darum eine Petition lanciert: Sie fordert von Grossverteilern wie der Migros, Verarbeitern wie Zweifel-Chips oder dem Branchenverband swisspatat, dass sie sich konsequent für traditionell gezüchtete und resistente Kartoffelsorten einsetzen und die Finger von leeren Gentech-Versprechen lassen.

